Aktuelles/News
27.05.2026
Samuel Rüegg: «Ich werde das Dramatische der Welt nicht vermissen»
Warum findest du es wichtig, die Erinnerung an Wiborada wach zu halten?
Weil sie für die Stadt, die Kirche und auch für die Emanzipation wichtig ist.
Wenn du Wiborada treffen könntest: Welche Frage würdest du ihr gerne stellen?
Wie hast du die «Vision» wahrgenommen? Was war mit Zweifeln? Wie konntest du mit deiner Botschaft überzeugen?
Wer wird dich am Freitagabend in die Zelle einschliessen?
Zwei langjährige Freunde, die das gerne machen und die ich dann gerne um mich habe.
Welche «Handarbeit» nimmst du dir mit für deine Woche in der Zelle?
Papier und diverse Stifte. Ein Buch oder zwei.
Warum sollte man genau dich am offenen Zellenfenster besuchen?
Ich glaube es gibt keinen Grund genau mich aufzusuchen. Ich freue mich auf Besuchende und werde einfach präsent sein.
Wovor hast du Angst oder besonderen Respekt?
Ich habe schon gefastet: Da gab es Krisen, die gross schienen, aber dann gar nicht so gross waren. Vielleicht wird es zwischendurch mal eng.
Wen oder was wirst du am meisten vermissen in der Zelle?
Den Alltag und meine Menschen.
Und was überhaupt nicht?
Auch Teile des Alltags. Das Dramatische der Welt.
Samuel Rüegg in der Wiborada-Zelle:
Samuel Rüegg aus Winterthur lebt vom 29. Mai–05. Juni 2026 in der nachgebauten Wiborada-Zelle. Das Zellenfenster öffnet er täglich von 12.30–13.30 Uhr und von 17.30–18.30 Uhr.
Um 18.30 Uhr können Sie mit dem Inklusen am Fürbittgebet für die Stadt St.Gallen teilnehmen. (Mo-Fr, So Fürbittgebet mit Handauflegung)
Einschlussritual: Freitag, 29. Mai 2026, 18.30 Uhr, St.Mangen
Aufschlussritual: Freitag, 05. Juni 2026, 18.30 Uhr, St.Mangen
[mehr]Weil sie für die Stadt, die Kirche und auch für die Emanzipation wichtig ist.
Wenn du Wiborada treffen könntest: Welche Frage würdest du ihr gerne stellen?
Wie hast du die «Vision» wahrgenommen? Was war mit Zweifeln? Wie konntest du mit deiner Botschaft überzeugen?
Wer wird dich am Freitagabend in die Zelle einschliessen?
Zwei langjährige Freunde, die das gerne machen und die ich dann gerne um mich habe.
Welche «Handarbeit» nimmst du dir mit für deine Woche in der Zelle?
Papier und diverse Stifte. Ein Buch oder zwei.
Warum sollte man genau dich am offenen Zellenfenster besuchen?
Ich glaube es gibt keinen Grund genau mich aufzusuchen. Ich freue mich auf Besuchende und werde einfach präsent sein.
Wovor hast du Angst oder besonderen Respekt?
Ich habe schon gefastet: Da gab es Krisen, die gross schienen, aber dann gar nicht so gross waren. Vielleicht wird es zwischendurch mal eng.
Wen oder was wirst du am meisten vermissen in der Zelle?
Den Alltag und meine Menschen.
Und was überhaupt nicht?
Auch Teile des Alltags. Das Dramatische der Welt.
Samuel Rüegg in der Wiborada-Zelle:
Samuel Rüegg aus Winterthur lebt vom 29. Mai–05. Juni 2026 in der nachgebauten Wiborada-Zelle. Das Zellenfenster öffnet er täglich von 12.30–13.30 Uhr und von 17.30–18.30 Uhr.
Um 18.30 Uhr können Sie mit dem Inklusen am Fürbittgebet für die Stadt St.Gallen teilnehmen. (Mo-Fr, So Fürbittgebet mit Handauflegung)
Einschlussritual: Freitag, 29. Mai 2026, 18.30 Uhr, St.Mangen
Aufschlussritual: Freitag, 05. Juni 2026, 18.30 Uhr, St.Mangen
20.05.2026
Bettina Ehrle: «Den Namen Gottes leben»
Was bedeutet es dir, im Jubiläumsjahr 2026 eine Woche als Inkluse/Inklusin zu leben?
Als ich das erste Mal vom Wiborada-Projekt hörte, war mir schnell klar, dass ich mich bewerben werde. Mich begeistert vor allem der Gedanke, in dieser Woche den Namen Gottes zu leben – «Ich-bin-da».
Warum findest du es wichtig, die Erinnerung an Wiborada wach zu halten?
Die Tatsache, dass auf sie gehört wurde und so das Wertvollste der Stadt gerettet werden konnte – Menschen, Bibliothek, Klosterschatz – fasziniert mich. Aufgrund ihrer Gottverbundenheit, prophetischen Begabung und Weisheit hatte sie grosse Autorität. In Zeiten der Unsicherheit und Orientierungslosigkeit tut es gut, Menschen zu haben, denen man vertrauen kann.
Wenn du Wiborada treffen könntest: Welche Frage würdest du ihr gerne stellen?
Wiborada, wie betest Du?
Welche «Handarbeit» nimmst du dir mit für deine Woche in der Zelle?
Ich werde stricken.
Warum sollte man genau dich am offenen Zellenfenster besuchen?
Ich bin sehr gerne in der Klinikseelsorge tätig und das ist ja auch ein - mehr oder weniger - niederschwelliges Gesprächsangebot. Da bin ich relativ nah dran an der «Passantenpastoral». Auf die Begegnungen am Fenster freue ich mich schon …
Wovor hast du Angst oder besonderen Respekt?
Ich frage mich, wie es mir in der Nacht geht, ob ich mich da eventuell fürchte …
Wen oder was wirst du am meisten vermissen in der Zelle?
Sehr vermissen werde ich Sonnenstrahlen im Gesicht und die Bewegung an der frischen Luft – vor allem das Schwimmen.
Und was überhaupt nicht?
Die Erreichbarkeit per Handy.
Bettina Ehrle in der Wiborada-Zelle:
Bettina Ehrle aus Ravensburg (D) lebt vom 22.–29. Mai 2026 in der nachgebauten Wiborada-Zelle. Das Zellenfenster öffnet sie täglich von 12.30–13.30 Uhr und von 17.30–18.30 Uhr.
Um 18.30 Uhr können Sie mit der Inklusin am Fürbittgebet für die Stadt St.Gallen teilnehmen. (Mo-Fr, So Fürbittgebet mit Handauflegung)
Einschlussritual: Freitag, 22. Mai 2026, 18.30 Uhr, St.Mangen
Aufschlussritual: Freitag, 29. Mai 2026, 18.30 Uhr, St.Mangen
[mehr]Als ich das erste Mal vom Wiborada-Projekt hörte, war mir schnell klar, dass ich mich bewerben werde. Mich begeistert vor allem der Gedanke, in dieser Woche den Namen Gottes zu leben – «Ich-bin-da».
Warum findest du es wichtig, die Erinnerung an Wiborada wach zu halten?
Die Tatsache, dass auf sie gehört wurde und so das Wertvollste der Stadt gerettet werden konnte – Menschen, Bibliothek, Klosterschatz – fasziniert mich. Aufgrund ihrer Gottverbundenheit, prophetischen Begabung und Weisheit hatte sie grosse Autorität. In Zeiten der Unsicherheit und Orientierungslosigkeit tut es gut, Menschen zu haben, denen man vertrauen kann.
Wenn du Wiborada treffen könntest: Welche Frage würdest du ihr gerne stellen?
Wiborada, wie betest Du?
Welche «Handarbeit» nimmst du dir mit für deine Woche in der Zelle?
Ich werde stricken.
Warum sollte man genau dich am offenen Zellenfenster besuchen?
Ich bin sehr gerne in der Klinikseelsorge tätig und das ist ja auch ein - mehr oder weniger - niederschwelliges Gesprächsangebot. Da bin ich relativ nah dran an der «Passantenpastoral». Auf die Begegnungen am Fenster freue ich mich schon …
Wovor hast du Angst oder besonderen Respekt?
Ich frage mich, wie es mir in der Nacht geht, ob ich mich da eventuell fürchte …
Wen oder was wirst du am meisten vermissen in der Zelle?
Sehr vermissen werde ich Sonnenstrahlen im Gesicht und die Bewegung an der frischen Luft – vor allem das Schwimmen.
Und was überhaupt nicht?
Die Erreichbarkeit per Handy.
Bettina Ehrle in der Wiborada-Zelle:
Bettina Ehrle aus Ravensburg (D) lebt vom 22.–29. Mai 2026 in der nachgebauten Wiborada-Zelle. Das Zellenfenster öffnet sie täglich von 12.30–13.30 Uhr und von 17.30–18.30 Uhr.
Um 18.30 Uhr können Sie mit der Inklusin am Fürbittgebet für die Stadt St.Gallen teilnehmen. (Mo-Fr, So Fürbittgebet mit Handauflegung)
Einschlussritual: Freitag, 22. Mai 2026, 18.30 Uhr, St.Mangen
Aufschlussritual: Freitag, 29. Mai 2026, 18.30 Uhr, St.Mangen
13.05.2026
Gabi Hangartner: «Die Herausforderung des befristeten Alleinseins»
Was bedeutet es dir, im Jubiläumsjahr 2026 eine Woche als Inklusin zu leben?
Bücher, Filme, Reisen, Workshops usw. zur Suche nach sich selbst gibt es genug. Man kann auf hohe Berge steigen oder sich anderweitig herausfordern. Die Herausforderung vom Eingeschlossen-Sein kommt leise daher, sie wirkt auf den ersten Blick «harmlos», aber mir wird mehr und mehr bewusst, dass möglicherweise viel Kraft, aber auch Herausforderung darin liegt.
Warum findest du es wichtig, die Erinnerung an Wiborada wach zu halten?
Wiborada hatte den Mut, auf ihre innere Stimme zu hören und ihr Leben so zu leben, wie sie es für sie richtig hielt. Aus der heutigen Sicht, wo Selbstfindung und Selbstverwirklichung gross auf der Agenda stehen, finde ich es wichtig, die Erinnerung an Wiborada wach zu halten.
Wenn du Wiborada treffen könntest: Welche Frage würdest du ihr gerne stellen?
Was würdest du mir und allen Menschen heute mitgeben, warum es sich lohnt, sich als einzelne Person einzusetzen, sich einzuschränken und bedingungslos zu engagieren für die Menschen?
Weisst du schon, wer dich einschliessen wird? Warum hast du diese Person gewählt?
Ich denke, dass es mein Ehemann Rolf Hangartner sein wird. Er unterstützt mich, seit wir uns kennen, in allen Höhen, Tiefen und Wünschen meines Lebens. Dies wird auch ein Zeichen an ihn und an mein absolutes Vertrauen in ihn sein.
Welche «Handarbeit» nimmst du dir mit für deine Woche in der Zelle?
Da ich schon immer «handwerklich» tätig war, werde ich Material zum Zeichnen mitnehmen. Zusätzlich werde ich Materialien zum Sticken mitnehmen, da ich mich seit einiger Zeit mehr mit textilem Arbeiten und dem Sticken auf unterschiedliche Materialien befasst habe.
Warum sollte man genau dich am offenen Zellenfenster besuchen?
Da ich ein visueller Mensch bin, neugierig und gerne beobachte, wird die Zeit am offenen Fenster ein wichtiger Moment sein. Seit ich in meinem Alltag etwas langsamer unterwegs bin, ergeben sich oft natürlich und einfach Begegnungen mit Mitmenschen im Tram, beim Einkaufen…
Als Kind wohnhaft an einem eher einsamen Ort, bin ich so oft wie möglich am offenen Fenster auf einem Schemel gestanden, habe die Welt und die Menschen beobachtet und auch mit ihnen gesprochen. Es hat und hatte immer mit dem Innen und Aussen zu tun und hilft mir bis heute in meiner Wahrnehmung.
Wovor hast du Angst oder besonderen Respekt?
Ich weiss von mir, dass ich gut die Zeit mit mir alleine verbringen kann. Aber ganz sicher kann ich mir natürlich nicht sein, ob Angst und Unerwartetes auftauchen werden. Ich werde dann versuchen, mit Aufschreiben und/oder Zeichnen damit umzugehen lernen.
Ich kann mir auch vorstellen, dass Einschlafen und/oder Durchschlafen in dieser Situation eher schwierig werden könnten. Aber mit dem Wachliegen habe ich bereits Erfahrungen gesammelt.
Gabi Hangartner in der Wiborada-Zelle:
Gabi Hangartner aus Basel lebt vom 15.–22. Mai 2026 in der nachgebauten Wiborada-Zelle. Das Zellenfenster öffnet sie täglich von 12.30–13.30 Uhr und von 17.30–18.30 Uhr.
Um 18.30 Uhr können Sie mit der Inklusin am Fürbittgebet für die Stadt St.Gallen teilnehmen (Mo-Fr, So Fürbittgebet mit Handauflegung)
Einschlussritual: Freitag, 15. Mai 2026, 18.30 Uhr, St.Mangen
Aufschlussritual: Freitag, 22. Mai 2026, 18.30 Uhr, St.Mangen
[mehr]Bücher, Filme, Reisen, Workshops usw. zur Suche nach sich selbst gibt es genug. Man kann auf hohe Berge steigen oder sich anderweitig herausfordern. Die Herausforderung vom Eingeschlossen-Sein kommt leise daher, sie wirkt auf den ersten Blick «harmlos», aber mir wird mehr und mehr bewusst, dass möglicherweise viel Kraft, aber auch Herausforderung darin liegt.
Warum findest du es wichtig, die Erinnerung an Wiborada wach zu halten?
Wiborada hatte den Mut, auf ihre innere Stimme zu hören und ihr Leben so zu leben, wie sie es für sie richtig hielt. Aus der heutigen Sicht, wo Selbstfindung und Selbstverwirklichung gross auf der Agenda stehen, finde ich es wichtig, die Erinnerung an Wiborada wach zu halten.
Wenn du Wiborada treffen könntest: Welche Frage würdest du ihr gerne stellen?
Was würdest du mir und allen Menschen heute mitgeben, warum es sich lohnt, sich als einzelne Person einzusetzen, sich einzuschränken und bedingungslos zu engagieren für die Menschen?
Weisst du schon, wer dich einschliessen wird? Warum hast du diese Person gewählt?
Ich denke, dass es mein Ehemann Rolf Hangartner sein wird. Er unterstützt mich, seit wir uns kennen, in allen Höhen, Tiefen und Wünschen meines Lebens. Dies wird auch ein Zeichen an ihn und an mein absolutes Vertrauen in ihn sein.
Welche «Handarbeit» nimmst du dir mit für deine Woche in der Zelle?
Da ich schon immer «handwerklich» tätig war, werde ich Material zum Zeichnen mitnehmen. Zusätzlich werde ich Materialien zum Sticken mitnehmen, da ich mich seit einiger Zeit mehr mit textilem Arbeiten und dem Sticken auf unterschiedliche Materialien befasst habe.
Warum sollte man genau dich am offenen Zellenfenster besuchen?
Da ich ein visueller Mensch bin, neugierig und gerne beobachte, wird die Zeit am offenen Fenster ein wichtiger Moment sein. Seit ich in meinem Alltag etwas langsamer unterwegs bin, ergeben sich oft natürlich und einfach Begegnungen mit Mitmenschen im Tram, beim Einkaufen…
Als Kind wohnhaft an einem eher einsamen Ort, bin ich so oft wie möglich am offenen Fenster auf einem Schemel gestanden, habe die Welt und die Menschen beobachtet und auch mit ihnen gesprochen. Es hat und hatte immer mit dem Innen und Aussen zu tun und hilft mir bis heute in meiner Wahrnehmung.
Wovor hast du Angst oder besonderen Respekt?
Ich weiss von mir, dass ich gut die Zeit mit mir alleine verbringen kann. Aber ganz sicher kann ich mir natürlich nicht sein, ob Angst und Unerwartetes auftauchen werden. Ich werde dann versuchen, mit Aufschreiben und/oder Zeichnen damit umzugehen lernen.
Ich kann mir auch vorstellen, dass Einschlafen und/oder Durchschlafen in dieser Situation eher schwierig werden könnten. Aber mit dem Wachliegen habe ich bereits Erfahrungen gesammelt.
Gabi Hangartner in der Wiborada-Zelle:
Gabi Hangartner aus Basel lebt vom 15.–22. Mai 2026 in der nachgebauten Wiborada-Zelle. Das Zellenfenster öffnet sie täglich von 12.30–13.30 Uhr und von 17.30–18.30 Uhr.
Um 18.30 Uhr können Sie mit der Inklusin am Fürbittgebet für die Stadt St.Gallen teilnehmen (Mo-Fr, So Fürbittgebet mit Handauflegung)
Einschlussritual: Freitag, 15. Mai 2026, 18.30 Uhr, St.Mangen
Aufschlussritual: Freitag, 22. Mai 2026, 18.30 Uhr, St.Mangen
06.05.2026
Ulrike Hasselmann: «1100 Jahre Frauengeschichte reflektieren»
Was bedeutet es dir, im Jubiläumsjahr 2026 eine Woche als Inkluse/Inklusin zu leben?
Das Jubiläumsjahr zeigt die vielen Früchte der Bemühungen, dieser grossen Frauengestalt Wiborada Bekanntheit, Sichtbarkeit und Geltung zu verschaffen. Das Jubiläum regt mich an, über 1100 Jahre Menschheits-, Männer- und Frauengeschichte nachzudenken.
Warum findest du es wichtig, die Erinnerung an Wiborada wach zu halten?
Wiborada ist ein zentraler Teil der St. Galler Frauen-, Stadt- und Religionsgeschichte. Sie hat ein Frauenleben auf besondere Weise gelebt. Mit Beharrlichkeit und Mut. Wiborada hat einen Weg gesucht, mit der geistigen und der weltlichen Welt gleichzeitig in Verbindung zu stehen.
Wenn du Wiborada treffen könntest: Welche Frage würdest du ihr gerne stellen?
Ich würde Sie fragen wollen, wie sie diesen grossen Mut und die ihr wohl eigene Beharrlichkeit hat aufbringen können. Was hat ihr dabei geholfen, unbeirrbar zu bleiben. Wie ist sie mit Krisen- und Notsituationen umgegangen, die es auf ihrem Weg auch gegeben haben muss?
Welche «Handarbeit» nimmst du dir mit für deine Woche in der Zelle?
Ich habe seit der Schulzeit keine Handarbeiten mehr gemacht. Somit stellt dies eine persönliche Herausforderung dar. Ich möchte probieren, ein farbiges Bild zu sticken, das die Seelenstimmungen dieser besonderen Tage abbildet.
Warum sollte man genau dich am offenen Zellenfenster besuchen?
Jeder Besuch am Fenster ist eine ganz besondere, eben nicht alltägliche Begegnungsmöglichkeit. So habe ich es bei meinen Besuchen am Fenster erlebt. Der nicht alltäglichen Begegnung in dieser speziellen Form möchte ich versuchen, Raum zu geben durch das offene Aufnehmen der Anliegen der Menschen, die zum Fenster kommen möchten.
Wovor hast du besonderen Respekt?
Ich freue mich auf diese Tage, wo eine nicht alltägliche Begegnung mit mir selbst stattfinden wird. Respekt habe ich vor dem Neuen, vielleicht auch Unbekannten, das vielleicht auftaucht, erlebe ich mich doch in einer Zeit des Überganges. Dankbar bin ich für den geistlichen Beistand in diesen Tagen.
Wen oder was wirst du am meisten vermissen in der Zelle?
Die vertrauten Gespräche mit meiner Familie und meinen FreundInnen und KollegInnen.
Und was überhaupt nicht?
Nach einem strikten Terminplan durch den Tag gehen zu wollen, sollen, müssen.
Ulrike Hasselmann in der Wiborada-Zelle:
Ulrike Hasselmann aus Speicher AR lebt vom 08.–15. Mai 2026 in der nachgebauten Wiborada-Zelle. Das Zellenfenster öffnet sie täglich von 12.30–13.30 Uhr und von 17.30–18.30 Uhr.
Um 18.30 Uhr gibt es die Möglichkeit, mit der Inklusin am Fürbittgebet teilzunehmen.
Einschlussritual: Freitag, 08. Mai 2026, 18.30 Uhr, St.Mangen
Aufschlussritual: Freitag, 15. Mai 2026, 18.30 Uhr, St.Mangen
[mehr]Das Jubiläumsjahr zeigt die vielen Früchte der Bemühungen, dieser grossen Frauengestalt Wiborada Bekanntheit, Sichtbarkeit und Geltung zu verschaffen. Das Jubiläum regt mich an, über 1100 Jahre Menschheits-, Männer- und Frauengeschichte nachzudenken.
Warum findest du es wichtig, die Erinnerung an Wiborada wach zu halten?
Wiborada ist ein zentraler Teil der St. Galler Frauen-, Stadt- und Religionsgeschichte. Sie hat ein Frauenleben auf besondere Weise gelebt. Mit Beharrlichkeit und Mut. Wiborada hat einen Weg gesucht, mit der geistigen und der weltlichen Welt gleichzeitig in Verbindung zu stehen.
Wenn du Wiborada treffen könntest: Welche Frage würdest du ihr gerne stellen?
Ich würde Sie fragen wollen, wie sie diesen grossen Mut und die ihr wohl eigene Beharrlichkeit hat aufbringen können. Was hat ihr dabei geholfen, unbeirrbar zu bleiben. Wie ist sie mit Krisen- und Notsituationen umgegangen, die es auf ihrem Weg auch gegeben haben muss?
Welche «Handarbeit» nimmst du dir mit für deine Woche in der Zelle?
Ich habe seit der Schulzeit keine Handarbeiten mehr gemacht. Somit stellt dies eine persönliche Herausforderung dar. Ich möchte probieren, ein farbiges Bild zu sticken, das die Seelenstimmungen dieser besonderen Tage abbildet.
Warum sollte man genau dich am offenen Zellenfenster besuchen?
Jeder Besuch am Fenster ist eine ganz besondere, eben nicht alltägliche Begegnungsmöglichkeit. So habe ich es bei meinen Besuchen am Fenster erlebt. Der nicht alltäglichen Begegnung in dieser speziellen Form möchte ich versuchen, Raum zu geben durch das offene Aufnehmen der Anliegen der Menschen, die zum Fenster kommen möchten.
Wovor hast du besonderen Respekt?
Ich freue mich auf diese Tage, wo eine nicht alltägliche Begegnung mit mir selbst stattfinden wird. Respekt habe ich vor dem Neuen, vielleicht auch Unbekannten, das vielleicht auftaucht, erlebe ich mich doch in einer Zeit des Überganges. Dankbar bin ich für den geistlichen Beistand in diesen Tagen.
Wen oder was wirst du am meisten vermissen in der Zelle?
Die vertrauten Gespräche mit meiner Familie und meinen FreundInnen und KollegInnen.
Und was überhaupt nicht?
Nach einem strikten Terminplan durch den Tag gehen zu wollen, sollen, müssen.
Ulrike Hasselmann in der Wiborada-Zelle:
Ulrike Hasselmann aus Speicher AR lebt vom 08.–15. Mai 2026 in der nachgebauten Wiborada-Zelle. Das Zellenfenster öffnet sie täglich von 12.30–13.30 Uhr und von 17.30–18.30 Uhr.
Um 18.30 Uhr gibt es die Möglichkeit, mit der Inklusin am Fürbittgebet teilzunehmen.
Einschlussritual: Freitag, 08. Mai 2026, 18.30 Uhr, St.Mangen
Aufschlussritual: Freitag, 15. Mai 2026, 18.30 Uhr, St.Mangen
22.04.2026
St.Gallen feiert Wiborada mit grossem Jubiläum
Der Verein Wiborada-Jubiläum organisiert am 2. Mai 2026 von 14 bis 22 Uhr ein grosses Fest auf dem Areal St.Mangen. Die Festmeile bietet Musik, Lesungen, einen Festakt in der Kirche, den neuen Frauenstadtrundgang «Wiboradas Schwestern» sowie ein eigens gebrautes Wiborada-Fenchelbier.Auf der Bühne treten Velvet Two Stripes, die Punkband Rednova, die Frauestriichmusig, DJ Kutschenfahrt und die Kabarettformation CareBelles auf. Für Kinder wird ein Programm mit dem Figurentheater St.Gallen und weiteren Angeboten organisiert.
Der Verein lädt die Stadtgesellschaft ein, gemeinsam zu erinnern, zu feiern und den Blick von der Geschichte in die Gegenwart und Zukunft zu richten. Die Festrede hält Stadtpräsidentin Maria Pappa um 17.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Der Verein Wiborada-Jubiläum 2026
Der Verein «Wiborada-Jubiläum 2026» wurde im Frühling 2025 gegründet und vereint Personen aus Kultur, Bildung, Gesellschaft sowie den beiden Landeskirchen. Zur Projektgruppe gehören Hildegard Aepli, Kathrin Bolt, Jacques Erlanger, Tim Mahle, Jolanda Schärli, Kristin Schmidt, Lea Vannini, Aline Zengaffinen und Corinne Riedener. Unterstützt wird der Verein von verschiedenen Institutionen und Privatpersonen.
Themenreihe «Jenseits der Ikone» im Palace
Im Rahmen der «Erfreulichen Universität» widmet sich der Verein Wiborada-Jubiläum gemeinsam mit dem Archiv für Frauen- und Sozialgeschichte Ostschweiz sowie der Bibliothek Wyborada der historischen Figur Wiborada. Die Veranstaltungen finden jeweils um 19.30 Uhr im Palace statt.
Am 5. Mai diskutieren Prof. Caroline Arni (Universität Basel) und Journalistin Jasmine Lörchner über Chancen und Herausforderungen des biografischen Erzählens von Frauenleben. Am 12. Mai beleuchtet Mediävistin Tanja Scherrer weibliche Handlungsspielräume im Mittelalter. Den Abschluss bildet am 19. Mai ein Generationengespräch zum 40-Jahr-Jubiläum der Bibliothek Wyborada.
Breites Jubiläumsprogramm in der ganzen Stadt
Das Jubiläumsjahr umfasst ein breit angelegtes Programm. Teil davon ist das Projekt «Da-Sein»: Seit Januar wird die Wiborada-Zelle bei St.Mangen täglich von einer Person bewohnt. Die Nachfrage ist hoch, die Zelle ist bereits bis in den Herbst ausgebucht. Unter den Teilnehmern befinden sich unter anderem Alt-Regierungsrätin Heidi Hanselmann, Stadtpräsidentin Maria Pappa, Stiftsbibliothekar Cornel Dora und Regierungsrätin Susanne Hartmann.
Neben den Aktivitäten des Vereins beteiligen sich zahlreiche Institutionen und Kulturschaffende mit eigenen Formaten. Dazu gehören unter anderem das Kulturmuseum, die Stiftsbibliothek sowie die Szenografin Ursula Müller mit einem Wiborada-Audio-Walk, der am 24. April Premiere feiert.
[mehr]Der Verein lädt die Stadtgesellschaft ein, gemeinsam zu erinnern, zu feiern und den Blick von der Geschichte in die Gegenwart und Zukunft zu richten. Die Festrede hält Stadtpräsidentin Maria Pappa um 17.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Der Verein Wiborada-Jubiläum 2026
Der Verein «Wiborada-Jubiläum 2026» wurde im Frühling 2025 gegründet und vereint Personen aus Kultur, Bildung, Gesellschaft sowie den beiden Landeskirchen. Zur Projektgruppe gehören Hildegard Aepli, Kathrin Bolt, Jacques Erlanger, Tim Mahle, Jolanda Schärli, Kristin Schmidt, Lea Vannini, Aline Zengaffinen und Corinne Riedener. Unterstützt wird der Verein von verschiedenen Institutionen und Privatpersonen.
Themenreihe «Jenseits der Ikone» im Palace
Im Rahmen der «Erfreulichen Universität» widmet sich der Verein Wiborada-Jubiläum gemeinsam mit dem Archiv für Frauen- und Sozialgeschichte Ostschweiz sowie der Bibliothek Wyborada der historischen Figur Wiborada. Die Veranstaltungen finden jeweils um 19.30 Uhr im Palace statt.
Am 5. Mai diskutieren Prof. Caroline Arni (Universität Basel) und Journalistin Jasmine Lörchner über Chancen und Herausforderungen des biografischen Erzählens von Frauenleben. Am 12. Mai beleuchtet Mediävistin Tanja Scherrer weibliche Handlungsspielräume im Mittelalter. Den Abschluss bildet am 19. Mai ein Generationengespräch zum 40-Jahr-Jubiläum der Bibliothek Wyborada.
Breites Jubiläumsprogramm in der ganzen Stadt
Das Jubiläumsjahr umfasst ein breit angelegtes Programm. Teil davon ist das Projekt «Da-Sein»: Seit Januar wird die Wiborada-Zelle bei St.Mangen täglich von einer Person bewohnt. Die Nachfrage ist hoch, die Zelle ist bereits bis in den Herbst ausgebucht. Unter den Teilnehmern befinden sich unter anderem Alt-Regierungsrätin Heidi Hanselmann, Stadtpräsidentin Maria Pappa, Stiftsbibliothekar Cornel Dora und Regierungsrätin Susanne Hartmann.
Neben den Aktivitäten des Vereins beteiligen sich zahlreiche Institutionen und Kulturschaffende mit eigenen Formaten. Dazu gehören unter anderem das Kulturmuseum, die Stiftsbibliothek sowie die Szenografin Ursula Müller mit einem Wiborada-Audio-Walk, der am 24. April Premiere feiert.
27.03.2026
Klosterfrauen heute

Anlässlich 1100 Jahre Wiborada von St.Gallen widmet sich das Kulturmuseum St.Gallen vom 25. April bis 4. Oktober 2026 ganz besonderen Frauen, die sich für einen spirituellen Lebensweg entschieden haben. Sie erzählen vom Leben im Kloster, ihrem Wirken als Eremitin oder von ihren Erfahrungen als mobile Inklusin.
Das Kulturmuseum lädt zur Ausstellungseröffnung am 24. April um 18.30 Uhr ein.
Wird es in den kommenden Generationen noch Klosterfrauen geben in der Ostschweiz?
Wer übers Land fährt und den eindrücklichen Frauenklöstern begegnet, wird sich bewusst, welches Kulturerbe hier ruht. Jahrhundertelang wurde es erhalten, gepflegt und weitergegeben. Religiöse Frauen haben einen wichtigen Anteil an der Ostschweizer Geschichte.
Das Jubiläumsjahr zur 1100-Jahr-Feier im Andenken an die Hl. Wiborada von St.Gallen, die erste Frau, die heiliggesprochen wurde, ist für das Kulturmuseum Anlass, um eine Brücke vom Frühmittelalter in die Gegenwart zu schlagen. Wiborada gilt als starke Persönlichkeit, die innere Ruhe, Kontemplation und einen höheren Sinn im Rückzug in eine Klause fand, wo sie gleichzeitig als Ratgeberin für die Bevölkerung wirkte.
Ihre Vita ist in der Ausstellung der Ausgangspunkt für Porträts von Frauen von heute, die sich für ein Leben im Kloster entschieden haben, als Eremitin wirken oder eine Woche als «mobile Inklusin» verbrachten. Was hat ihren Entscheid beeinflusst, wie hat es ihr Leben verändert, wie sieht ihr Alltag heute aus? Die kleine Zelle der Wiborada steht sozusagen am Anfang einer Traditionslinie, die zu bemerkenswerten Frauen von heute führt.
Ausgewählte Stücke aus der Sammlung des Kulturmuseums und wertvolle Leihgaben ergänzen die Ausstellung. Dazu zählen die einmaligen der Wiborada zugesprochenen Gegenstände aus der Benediktinerinnenabtei St.Gallenberg (Glattburg), die das letzte Mal vor 20 Jahren in der grossen Ausstellung «Untergang und Erbe der Fürstabtei St.Gallen» im Museum zu sehen waren.
Ausserdem werden Fragmente einer Wandbemalung aus der ersten Kirche in St.Mangen präsentiert, welche Salomo III. im ausgehenden 9. Jahrhundert errichten liess.
Auch in der Sammlung des Kulturmuseums kamen Schätze aus Ostschweizer Frauenklöstern ans Licht, u.a. ein Bildteppich mit Maria, heiligen Frauen und Zisterzienserinnen von 1611, ein Clavichord mit der Hl. Cäcilia aus dem 18. Jahrhundert, das auf die Rolle der Musik im Klosteralltag verweist, ein Gebäckmodel von 1685 aus dem Kloster Magdenau sowie Kunsthandwerk.
Die Dinge erzählen von den zusätzlichen Tätigkeiten hinter den Kulissen. Klosterarbeiten aus Drahtgespinsten mit Perlen und Glassteinen wurden hier angefertigt, Stickereien für die Ausstattung von Kirchen hergestellt, Hostien und Kräpfli gebacken und für Klosterladen und Apotheke begehrte Heilmittel, Tees und Pflegeprodukte vorbereitet.
Und wie sieht es heute aus? Viele Arbeiten von früher sind weggefallen wie etwa die Paramentenstickereien, Wachsnereien, zum Teil auch die Hostienbäckereien, im Kloster Madgenau etwa das Anfertigen von Bucheinbänden oder von Büchern in Blindenschrift.
Hingegen bieten viele Klöster heute Gästezimmer und Rat für Frauen an, die eine Auszeit und Stille suchen, oder sie unterstützen die Menschen mit Gebeten – diesbezügliche Wünsche können sogar per Online-Formular eingereicht werden.
Die Ausstellung lädt ein, sich mit dem klösterlichen Kulturerbe zu befassen, das bis zu Wiborada zurückreicht, Musik zu geniessen und über das Leben in Klausur, über innere und äussere Grenzen nachzusinnen und in den Filminterviews diese inspirierenden Frauen kennen zu lernen, die in kleiner Gemeinschaft das Klostererbe weiter pflegen oder als Inklusinnen ihre Erfahrungen gemacht haben.
Zum Ausstellungsprogramm
20.03.2026
Simone Curau-Aepli: Eine Woche Alleinsein als Experiment
Simone Curau-Aepli aus Weinfelden TG war Präsidentin des Frauenbundes Schweiz und ist Unternehmerin, Marketingfachfrau sowie aktive Grossmutter. Im Jubiläumsjahr 2026 erlebt sie eine Woche vom 1. bis 08. Mai als Inklusin in der Wiborada-Zelle. Für die 64-Jährige, die noch nie allein gelebt hat, ist die Zeit in der Zelle eine Gelegenheit, spirituelle Texte zu reflektieren, erzählt sie im Interview.Was bedeutet es dir, im Jubiläumsjahr 2026 eine Woche als Inkluse/Inklusin zu leben?
Immer wieder habe ich die Option geprüft, ob ich mir eine Woche in der Zelle zumute. Ich bin sehr beeindruckt, welche Dimensionen dieses Projekt dank vieler hartnäckig-engagierter und begeisterter Menschen im Jubiläumsjahr annimmt und fühle mich sehr geehrt, als Inklusin Teil davon zu sein.
Warum findest du es wichtig, die Erinnerung an Wiborada wach zu halten?
In Gesellschaft, Wirtschaft und Kirche haben Frauen massgeblich zu wesentlichen Veränderungen beigetragen. Ihr Wirken wird aber erst langsam entdeckt und gewürdigt. Die Geschichte der Wiborada ist ein leuchtendes Beispiel, wie eine «Her-story» neu geschrieben werden kann und muss.
Wenn du Wiborada treffen könntest: Welche Frage würdest du ihr gerne stellen?
Hat dein Körper dich nicht immer wieder zur physischen Bewegung gerufen?
Wer wird dich einschliessen und warum?
Beat Curau-Aepli, mein Mann und seit 47 Jahren mein Gefährte, wird mich einschliessen. So pflegen wir eine wesentliche Stärke unserer langjährigen Beziehung: Uns immer wieder bewusst auf Experimente und Projekte des anderen einlassen, auch wenn wir nicht alles nachvollziehen und verstehen.
Welche «Handarbeit» nimmst du dir mit für deine Woche in der Zelle?
Ich habe mich noch nicht entschieden. Ich denke an etwas, das einen Mehrwert schafft wie z.B. Abwaschlappen stricken oder Verbundenheits-Bändeli knüpfen. Diese könnte ich weiterschenken oder für das Wiborada-Projekt verkaufen.
Mit welchen Texten wirst du dich in dieser Woche besonders auseinandersetzen?
Singen ist für mich doppelt beten. In Gottesdiensten leide ich oft, dass ich viele Lieder nicht mehr mitsingen kann, weil Gottesbilder besungen werden, an die ich nicht glaube bzw. die ich ablehne. Ich werde Texte religiöser und spiritueller Lieder aufmerksam lesen, meditieren und bearbeiten oder um- und neuschreiben.
Warum sollte man genau dich am offenen Zellenfenster besuchen?
Ich werde das Fenster jeweils mit achtsamem Auge, Ohr und Herz öffnen. Ich bin zudem ein Greenhorn im Alleinsein, habe nie allein gelebt und war immer in Verbundenheit mit anderen Menschen engagiert. Vielleicht interessiert es mir (un-)bekannte Menschen, wie ich mich fühle und was es in mir auslöst, mich in dieser so neuen Situation zurechtzufinden.
Wovor hast du Angst oder besonderen Respekt?
Simone und Schlüssel passen nicht zusammen. Ausser dem Veloschlüssel habe ich nie einen Schlüssel dabei und unser Haus ist immer offen. Die Vorstellung, dass die Zellentüre wirklich von aussen abgeschlossen wird und ich drinbleiben werde, löst bei mir nicht wirklich wohlige Gefühle aus.
Wen oder was wirst du am meisten vermissen in der Zelle?
Musik wird mir fehlen, denn vor allem klassische Musik bereichert und verschönert mein Leben. Mich draussen zu bewegen, beschert mir zudem Momente des Innehaltens, der Inspiration und des Glücks, sei es zu Fuss, auf dem Velo oder im Ruderboot. Auf solche Momente sieben Tage lang verzichten musste ich bis anhin nur, wenn ich so richtig krank war.
Und was überhaupt nicht?
Die Schreckensnachrichten aus aller Welt, die wir in Worten und Bildern ständig erhalten und die mich immer wieder so ohnmächtig zurücklassen, werden mir nicht fehlen. Mich dafür noch bewusster am Fenster oder in Ritualen mit Menschen zu verbinden, die Leid erfahren, wird in dieser Intensität eine neue Erfahrung werden.
Simone Curau-Aepli in der Wiborada-Zelle
Simone Curau-Aepli aus Weinfelden TG lebt vom 01.-08. Mai 2026 in der nachgebauten Wiborada-Zelle. Das Zellenfenster öffnet sie täglich von 12.30-13.30 Uhr und von 17.30-18.30 Uhr.
Herzliche Einladung zum
Einschlussritual am Freitag, 01. Mai 2026, 18.30 Uhr, St.Mangen
Aufschlussritual am Freitag, 08. Mai 2026, 18.30 Uhr, St.Mangen
Ein Mittagessen für die Inklusin
Möchten Sie die Inklusin tatkräftig unterstützen und ihr einmal ein Mittagessen ans Zellenfenster vorbei bringen? Dann tragen Sie sich in der Liste ein.
[mehr]Immer wieder habe ich die Option geprüft, ob ich mir eine Woche in der Zelle zumute. Ich bin sehr beeindruckt, welche Dimensionen dieses Projekt dank vieler hartnäckig-engagierter und begeisterter Menschen im Jubiläumsjahr annimmt und fühle mich sehr geehrt, als Inklusin Teil davon zu sein.
Warum findest du es wichtig, die Erinnerung an Wiborada wach zu halten?
In Gesellschaft, Wirtschaft und Kirche haben Frauen massgeblich zu wesentlichen Veränderungen beigetragen. Ihr Wirken wird aber erst langsam entdeckt und gewürdigt. Die Geschichte der Wiborada ist ein leuchtendes Beispiel, wie eine «Her-story» neu geschrieben werden kann und muss.
Wenn du Wiborada treffen könntest: Welche Frage würdest du ihr gerne stellen?
Hat dein Körper dich nicht immer wieder zur physischen Bewegung gerufen?
Wer wird dich einschliessen und warum?
Beat Curau-Aepli, mein Mann und seit 47 Jahren mein Gefährte, wird mich einschliessen. So pflegen wir eine wesentliche Stärke unserer langjährigen Beziehung: Uns immer wieder bewusst auf Experimente und Projekte des anderen einlassen, auch wenn wir nicht alles nachvollziehen und verstehen.
Welche «Handarbeit» nimmst du dir mit für deine Woche in der Zelle?
Ich habe mich noch nicht entschieden. Ich denke an etwas, das einen Mehrwert schafft wie z.B. Abwaschlappen stricken oder Verbundenheits-Bändeli knüpfen. Diese könnte ich weiterschenken oder für das Wiborada-Projekt verkaufen.
Mit welchen Texten wirst du dich in dieser Woche besonders auseinandersetzen?
Singen ist für mich doppelt beten. In Gottesdiensten leide ich oft, dass ich viele Lieder nicht mehr mitsingen kann, weil Gottesbilder besungen werden, an die ich nicht glaube bzw. die ich ablehne. Ich werde Texte religiöser und spiritueller Lieder aufmerksam lesen, meditieren und bearbeiten oder um- und neuschreiben.
Warum sollte man genau dich am offenen Zellenfenster besuchen?
Ich werde das Fenster jeweils mit achtsamem Auge, Ohr und Herz öffnen. Ich bin zudem ein Greenhorn im Alleinsein, habe nie allein gelebt und war immer in Verbundenheit mit anderen Menschen engagiert. Vielleicht interessiert es mir (un-)bekannte Menschen, wie ich mich fühle und was es in mir auslöst, mich in dieser so neuen Situation zurechtzufinden.
Wovor hast du Angst oder besonderen Respekt?
Simone und Schlüssel passen nicht zusammen. Ausser dem Veloschlüssel habe ich nie einen Schlüssel dabei und unser Haus ist immer offen. Die Vorstellung, dass die Zellentüre wirklich von aussen abgeschlossen wird und ich drinbleiben werde, löst bei mir nicht wirklich wohlige Gefühle aus.
Wen oder was wirst du am meisten vermissen in der Zelle?
Musik wird mir fehlen, denn vor allem klassische Musik bereichert und verschönert mein Leben. Mich draussen zu bewegen, beschert mir zudem Momente des Innehaltens, der Inspiration und des Glücks, sei es zu Fuss, auf dem Velo oder im Ruderboot. Auf solche Momente sieben Tage lang verzichten musste ich bis anhin nur, wenn ich so richtig krank war.
Und was überhaupt nicht?
Die Schreckensnachrichten aus aller Welt, die wir in Worten und Bildern ständig erhalten und die mich immer wieder so ohnmächtig zurücklassen, werden mir nicht fehlen. Mich dafür noch bewusster am Fenster oder in Ritualen mit Menschen zu verbinden, die Leid erfahren, wird in dieser Intensität eine neue Erfahrung werden.
Simone Curau-Aepli in der Wiborada-Zelle
Simone Curau-Aepli aus Weinfelden TG lebt vom 01.-08. Mai 2026 in der nachgebauten Wiborada-Zelle. Das Zellenfenster öffnet sie täglich von 12.30-13.30 Uhr und von 17.30-18.30 Uhr.
Herzliche Einladung zum
Einschlussritual am Freitag, 01. Mai 2026, 18.30 Uhr, St.Mangen
Aufschlussritual am Freitag, 08. Mai 2026, 18.30 Uhr, St.Mangen
Ein Mittagessen für die Inklusin
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19.03.2026
«Wiborada steht für weibliche Autonomie und geistige Autorität»
Die St.Gallerin Annika Büchler hat bereits exklusive Unterwäsche für Vitorias Secret entworfen – und nun die Etikette für den Wiborada-Wein zum Jubiläumsjahr. Warum Wiborada sie fasziniert, wie sie beim Design der Etikette vorging und was diese so besonders macht, erzählt sie im Interview.Was hat Sie dazu motiviert, eine Etikette für den Wiborada-Wein zu gestalten?
Die Idee kam von Rudolf Morant, meinem ehemaligen Nachbarn. Wiborada war mir als in St. Gallen aufgewachsene Person zwar ein Begriff, doch erst durch meine Recherche wurde mir wirklich klar, wie wichtig sie für die Stadtgeschichte ist. Mich hat der Rudolfs Gedanke sofort angesprochen, ihr zum «Jubiläum» mit einem Wein mehr Sichtbarkeit zu geben. Der Austausch Rudolf war sehr inspirierend und er hat mir die tolle Möglichkeit gegeben, ein Projekt umzusetzen, das Gestaltung, Geschichte und St. Galler Kultur verbindet. Auch der feministische Aspekt der Idee fand ich wichtig: Als junge Frau aus St. Gallen sehe ich es als Chance, eine starke historische Frau, die viel bewirkt hat, mit einem Wein zu würdigen.
Was fasziniert Sie an Wiborada von St. Gallen?
Mich beeindruckt ihr Mut und die radikale Klarheit, mit der sie ihr Leben gestaltet hat. Wiborada entschied sich bewusst aus innerer Überzeugung für ein Leben in der Zelle, stand Menschen in schwierigen Momenten bei und opferte durch ihren Einsatz ihr Leben. Besonders fasziniert mich ihre «Stille» als Stärke. Trotz ihres Rückzugs hatte sie eine grosse Wirkung nach aussen und zeigt, dass Einfluss nicht immer laut sein muss. Gleichzeitig steht sie für eine frühe weibliche Autonomie und geistige Autorität – etwas, das für ihre Zeit aussergewöhnlich war. Diese Haltung passt für mich auch perfekt zum Wein: kurz innehalten, bewusst geniessen und den Alltag entschleunigen. Der Wein schafft einen Moment des bewussten Wahrnehmens in einer schnelllebigen Welt und schenkt zugleich Wiborada Aufmerksamkeit für ihr Schaffen.

Wie sind Sie beim Design der Etikette vorgegangen? Worauf haben Sie besonders geachtet?
Am Anfang stand eine intensive Recherche. Mich interessierte, wie Wiborada historisch dargestellt wurde, welche Symbole sich wiederholen und wie man diese Bildsprache in eine moderne Weinetikette übersetzen kann. Zudem ging ich in der St. Mangen Kirche und der aufgestellten Zelle vorbei. Darauf aufbauend habe ich verschiedene Entwürfe entwickelt und meine eigene Interpretation zwischen Tradition und Gegenwart gesucht. Nach intensivem Austausch mit Rudolf zeigt der finale Entwurf Wiborada als «Inclusa» in einer engen Zelle, gerahmt von einem romanischen Bogen. Buch und Hellebarde stehen für ihr Wissen und Martyrium. Besonders wichtig war uns das Fenster: Es symbolisiert die Verbindung zur Aussenwelt, Licht und Zeit – Tag und Nacht, Sterne und Mond. Auch der Heiligenschein strahlt nach aussen und steht für eine Wirkung, die über den eigenen Raum hinausgeht. Die Farbwahl wurde bewusst gewählt: Violett als Zeichen von Würde und weiblicher Stärke, ein heller Rotton hinter der Hellebarde als zurückhaltender Hinweis auf Blut und ihr Schicksal.
Was macht diese Etikette besonders?
Die Etikette verbindet eine klassische Heiligendarstellung mit einer modernen, reduzierten Bildsprache. Sie erzählt die Geschichte der Wiborada, ohne überladen zu wirken. Historische Symbole, klare Formen und zeitgenössische Farben machen Wiborada zur aktuellen und relevanten Frau. Die Etikette soll neugierig machen – auf Wiboradas Geschichte und den Wein selbst.
Vielen Dank für das Gespräch.
Der Wiborada-Wein ist zu 20 CHF pro Flasche in der Stiftsbibliothek, im Regio Herz Hofladen in St.Gallen sowie über Tanninogallo und direkt bei Rudolf Morant erhältlich. Auch am Wiborada-Fest am 02. Mai 2026 wird der Wein erhältlich sein.
18.03.2026
Wiborada-Wein und weitere Souvenirs im Jubiläumsjahr
Dass es im Jubiläumsjahr Wiborada-Wein, Wiborada-Kerzen und weitere Souvenirs zu kaufen gibt, ist vielen engagierten Personen zu verdanken. Verdienen werden sie nichts daran. Ihre Motivation: Wiborada im Jubiläumsjahr mehr Sichtbarkeit zu verleihen.«Als junge Frau aus St. Gallen sehe ich es als Chance, eine starke historische Frau, die viel bewirkt hat, mit einem Wein zu würdigen», sagt Stickerei-Designerin Annika Büchler. Sie hat die Etikette für den Wiborada-Wein entworfen. «Mich beeindruckt ihr Mut und die radikale Klarheit, mit der sie ihr Leben gestaltet hat. Besonders fasziniert mich ihre Stille als Stärke», so Büchler.
Initiiert hat den Wein Büchlers ehemaliger Nachbar, Rudolf Morant. Dieser ist vielen als Präsident der Krebsliga Ostschweiz bekannt. Warum ausgerechnet er sich für einen Wiborada-Wein einsetzte, erklärt er so: «Ich finde das Wiborada-Jubiläumsjahr ein wichtiges lokales Projekt, das ich gerne unterstützen möchte. Es ist doch erstaunlich, dass die Klosterherren ihrer Prophezeiung eines Hunneneinfalls geglaubt haben, und die Bibliothek ausgelagert und somit gerettet haben».
Für den Wiborada-Wein suchte er einen Winzer aus dem Thurgau, in der Nähe des vermuteten Geburtsortes von Wiborada. Bei Roger Huber wurde er fündig. Mit der Wahl der Weissweinrebe «Riesling Silvaner», die nach ihrem Züchter auch «Müller-Thurgau» genannt wird, stellte er einen weiteren Bezug zu Wiboradas Herkunft her.
Der Wiborada-Wein ist zu 20 CHF pro Flasche in der Stiftsbibliothek, im Regio Herz Hofladen in St.Gallen sowie über Tanninogallo erhältlich. Auch am Wiborada-Fest am 02. Mai 2026 wird der Wein erhältlich sein.

Wiborada-Ikone als Kerze und Karte
Sr.Fabienne Bucher ist es zu verdanken, dass es Kerzen und Karten mit der Wiborada-Ikone zu kaufen gibt. Die Diözesaneremitin hatte die Ikone von Jutta Meier, Eremitin und Ikonenmalerin aus Mindelheim (D) geschenkt bekommen. Die Original-Ikone ist mittlerweile bei Papst Leo XIV – Bundesrätin Karin Keller-Sutter überreichte sie ihm anlässlich ihres Vatikan-Besuchs im Oktober 2025. «Mit der Ikone der Heiligen Wiborada wollte ich an eine mutige Frau erinnern, die als erste offiziell heiliggesprochene Frau der Kirche auch für das Papsttum eine besondere Bedeutung hat», sagte Keller-Sutter dem Tagblatt. Sr. Fabienne hatte persönlich dafür gesorgt, dass die Ikone sicher bei Karin Keller-Sutter ankam.
Eine Kopie der Wiborada-Ikone kann sich nun jeder und jede zur persönlichen Betrachtung mit nach Hause nehmen: 5 CHF kostet die Wiborada-Karte, auf deren Rückseite sich eine Deutung der verschiedenen Symbole auf der Wiborada-Ikone befindet. Für 12 CHF gibt es die Wiborada-Kerze, die Sr. Fabienne bei Hongler, der ältesten Kerzenfabrik der Schweiz, produzieren liess. Karte wie Kerze sind u.a. in der Kirche St. Mangen und der Kathedrale St. Gallen erhältlich.

Fencheltee, Notizbuch und Schlüsselanhänger
Weitere Wiborada-Souvenirs entstehen laufend. Historikerin Judith Thoma hat etwa in Zusammenarbeit mit «Nanna bunte Küche», einem von Frauen geführten Unternehmen, «Wiboradas Fencheltee» entwickelt. Dies als Erinnerung daran, dass an Wiboradas Grab wilder Fenchel gewachsen sein soll – das ganze Jahr lang.
Ausserdem bietet Judith Thoma ein Buchzeichen, einen «Selbstratgeber» in Form eines pinken Notizbuches und Karten zum Selbstkostenpreis an. Gemeinsam mit der Künstlerin Irene Thoma und der Giesserei Pfister in Lengnau entsteht eine limitierte Auflage von Schlüsselringen aus Silber, an denen Wiboradas «Hüsli» hängt, die kleine Zelle, wie sie im Codex Sangallensis gezeichnet ist. «Der Schlüsselanhänger spielt mit dem Paradox, dass die Inklusin Wiborada weder eine Tür noch einen Schlüssel besass, während wir heute sehr viele Schlüssel mit uns herumtragen», verrät Thoma.

All diese Souvenirs sind ab dem 25. April im Kulturmuseum St.Gallen zu kaufen und werden auch beim Wiborada-Fest am 02. Mai 2026 erhältlich sein.
11.03.2026
Wiborada trifft Bruder Klaus

Im Rahmen des Jubiläumsjahres geht Wiborada in einer kleinen Mitmach-Ausstellung auf Reisen. Vom 10. bis 30. April 2026 ist sie in der katholischen Kirche Bruder-Klaus in Winkeln zu Gast – eine ökumenische Aktion gemeinsam mit der reformierten Kirchengemeinde Straubenzell.
Während der Öffnungszeiten der Kirche kann die Ausstellung täglich von 8 bis 18 Uhr besucht werden. Zahlreiche Schautafeln, eine Hörstation, Broschüren u.a. laden dazu ein, sich über die hl. Wiborada zu informieren.
Eröffnung mit ökumenischer Andacht
Eröffnet wird die Ausstellung am Freitag, den 10. April 2026 um 18.30 Uhr mit einer ökumenischen Andacht durch Diakon Sandro Koch, Seelsorgerin Anita Rezzonico und Pfarrer Tim Mahle in der kath. Kirche Bruder-Klaus in Winkeln. Im Anschluss kann die Ausstellung besichtigt und ein kleiner Apéro genossen werden.
Wiborada geht auf Reisen
Wiborada geht auf Reisen ist eine mobile Mini-Ausstellung: Pfarreien, Kirchgemeinden und andere Institutionen können die Wiborada-Statue von Det Blumberg zusammen mit Ausstellungstafeln, Hörstation, didaktischen Materialien und Informationen ausleihen. Um verfügbare Daten zu erfahren und weitere Details zu besprechen, wenden Sie sich an Ruth Diethelm: fam.ruth.diethelm@bluewin.ch
[mehr]Eröffnung mit ökumenischer Andacht
Eröffnet wird die Ausstellung am Freitag, den 10. April 2026 um 18.30 Uhr mit einer ökumenischen Andacht durch Diakon Sandro Koch, Seelsorgerin Anita Rezzonico und Pfarrer Tim Mahle in der kath. Kirche Bruder-Klaus in Winkeln. Im Anschluss kann die Ausstellung besichtigt und ein kleiner Apéro genossen werden.
Wiborada geht auf Reisen
Wiborada geht auf Reisen ist eine mobile Mini-Ausstellung: Pfarreien, Kirchgemeinden und andere Institutionen können die Wiborada-Statue von Det Blumberg zusammen mit Ausstellungstafeln, Hörstation, didaktischen Materialien und Informationen ausleihen. Um verfügbare Daten zu erfahren und weitere Details zu besprechen, wenden Sie sich an Ruth Diethelm: fam.ruth.diethelm@bluewin.ch
27.02.2026
Stiftsarchiv zeigt erstmals Wiboradas Unterschrift

Anlässlich 1100 Jahre Wiborada von St.Gallen begaben sich Peter Erhart und sein Team vom Stiftsarchiv auf Spurensuche. Sie entdeckten schriftliche Zeugnisse aus ihrer Lebenszeit, darunter ein «Autograph» der Heiligen!
Noch bevor sie sich in einer Zelle bei St.Georgen und später bei St. Mangen einschliessen liess, unternahm Wiborada wohl eine Wallfahrt zur Georgsreliquie auf die Insel Reichenau. Gemeinsam mit ihrer Begleiterin Rachilt beschloss sie, sich ins Gedenkbuch der Reichenauer Mönche einzutragen. «Dieses «Buch des Lebens» liest sich wie das «Who is who» der damaligen alemannischen Gesellschaft», erklärt Stiftsarchivar Peter Erhart. Platz darin fand nur, wer etwas galt und bereit war, eine Spende an die Mönche – im Austausch für ihr Gebet – zu zahlen.
Unter den 38.000 Namen stechen «Vviberat» und «Rachilt» besonders hervor: Sie stehen in einem frei gebliebenen Raum zwischen Spalten mit den Namen der Mönche von Luxeuil. Wiborada, die laut Peter Erhart von ihrem Bruder Hitto das Lesen und Schreiben gelernt hatte, schrieb sich wohl ganz bewusst in die Nähe dieser Mönche, die eine enge Beziehung zu St. Gallen pflegten.
Warum es wahrscheinlich ist, dass Wiborada selbst unterschrieb
Es ist «eher ausgeschlossen», dass ein Mönch ihr diesen Platz zuwies oder für sie unterschrieb. «Dieser hätte kaum eine solche Leerstelle gesucht, sondern eher den Schluss der Liste». Damit hat das Stiftsarchiv St.Gallen die – vermutlich einzige – autographe Spur Wiboradas entdeckt und zeigt Wiboradas Unterschrift nun im Original im Rahmen der Ausstellung «Vviberat & Rachilt» vom 27. Februar bis 28. Mai 2026.
Nur ein paar Sekunden wird das Reichenauer Gedenkbuch jeweils beleuchtet, um die wertvollen Handschriften zu schützen. Wer Wiboradas Eintrag auf der rechten Buchseite (linke Spalte, unteres Drittel) entdecken will, muss schnell sein – und wundert sich vermutlich, statt «Wiborada» etwas zu lesen, das wie «Uuiberat» aussieht. «Vviberat», so ihr alemannischer Name, wurde erst später latinisiert zu «Wiborada». Und erst ab 920 begann man, das «u» als «v» darzustellen: Laut Peter Erhart ist der Beleg dafür, dass der Eintrag also vor 920 geschehen sein musste, als Wiborada noch nicht als Inklusin lebte und selbst auf die Insel Reichenau reisen konnte.
Rachilt: Gefährtin und geistige Tochter
Dass es sich um die St.Galler Heilige und nicht um irgendeine Wiborada handelt, belegt der Eintrag ihrer Begleiterin «Rachilt» direkt darunter. Wiboradas «Magd, treue Gefährtin und geistige Tochter» war wohl eine Jugendfreundin von Wiborada. Sie folgte ihr als Inklusin und liess sich im Jahr 920 ebenfalls in eine Zelle bei St.Mangen einschliessen, wo sie – mit Unterbrechung durch den Ungarneinfall im Jahr 926 – bis zu ihrem Tod 946 lebte. Ihr Neffe, Ekkehart I, schrieb die erste Heiligenvita über Wiborada und konnte dafür wohl auf Rachilts Erzählungen zurückgreifen.
Für Peter Erhart ist Rachilt die eigentlich unentdeckte St. Galler Inklusin. Wie Wiborada und andere Reklusen wurde sie als geistliche Autorität anerkannt und verehrt. Dass sie nicht ebenfalls heiliggesprochen wurde, erklärt er sich so: «Gleich zwei Frauen heilig zu sprechen, hätte Papst Clemens II im Jahr 1047 wohl überfordert. Er war erst zwei Wochen im Amt», sagt er schmunzelnd.
Hitto: Bruder und Kustos
Neben Wiboradas Autograph zeigt das Stiftsarchiv noch eine zweite Neuentdeckung: Ein Eintrag von Wiborada gemeinsam mit ihrem jüngeren Bruder Hitto im St.Galler «Buch des Lebens», verfasst von Hitto. «Hitto hat Wiborada von Anfang an begleitet», sagt Peter Erhart. Zwei Urkunden, die er vermutlich selbst geschrieben hat, zeigen, dass Hitto und damit auch Wiborada wohl aus dem Raum Jonschwil stammten. 906 wurde Hitto, der zuvor als Priester und Seelsorger tätig war, Mönch in St.Gallen. «Abt Salomo wusste wohl, dass Hitto es im Kloster nicht aushalten würde und stellte ihm sein Häuschen in St.Mangen zur Verfügung», so Peter Erhart. Hitto wirkte als Kustos von St. Mangen – ganz in der Nähe seiner Schwester. Anschaulich zeigt das Stiftsarchiv ein Modell von Wiboradas Zelle, das in Rufweite zu Hittos Haus lag.
«Wiborada war nie allein – ausser in den letzten drei Tagen ihres Lebens»
Begleitet von Rachilt, unterstützt von Hitto, in einer Zelle, die strategisch günstig an der damaligen Hauptverkehrsroute, dem Konstanzer Weg, lag: «Wiborada war nie allein», fasst Peter Erhart zusammen, «ausser die letzten drei Tage ihres Lebens». Von Wiborada vor dem bevorstehenden Einfall der Ungarn gewarnt, brachten sich im Jahr 926 Rachilt und Hitto sowie der Abt und alle Mönche des St. Galler Klosters in Sicherheit. Wiborada war die Einzige, die das Gelübde «stabilitas loci» hielt und beständig in ihrer Klause blieb, wofür sie beim Ungarneinfall mit ihrem Leben bezahlte.
«Am 1. Mai wurde die Rekluse Wiberat von den Heiden erschlagen», hielten die St. Galler Mönche in ihrem Professbuch fest. «Fortan gehörte auch sie zur Gemeinschaft der Mönche», sagt Peter Erhart. Wer das Buch heute betrachtet, entdeckt rund um Wiboradas Namen ein dichtes Gedränge: Nach ihrer Heiligsprechung 1047 liessen sich Mönche sowie weltliche Gäste des Klosters rund um ihre Todesnotiz verewigen. «Sie suchten ganz offensichtlich die Nähe der Heiligen nicht nur an ihrem Grab, sondern auch in einem Buch, das ihr Gedächtnis sicherte und auf ihren Beistand am Tag des Jüngsten Gerichts hoffen liess», so Peter Erhart. Das Buch wurde damit zur Reliquie – und kann ebenfalls in der aktuellen Ausstellung angesehen werden.
Ausstellung und Katalog
«Vviberat & Rachilt – Erste Spuren» ist vom 27. Februar 2026 bis 23. Februar 2027 im Ausstellungssaal des Stiftsarchiv zu sehen. Neben den beiden Reklusen werden auch gemeinschaftliche Lebensweisen beleuchtet, in denen Frauen ihren Alltag religiös gestalteten. Daraus entwickelten sich oftmals blühende Frauenklöster, welche in der Ostschweiz in enger Beziehung zur Fürstabtei St. Gallen standen.
Öffnungszeiten
Montag bis Sonntag 10–17 Uhr
(Juli bis September: Montag bis Sonntag 10–18 Uhr)
20. April, 9. bis 23. November und 24./25. Dezember 2026 geschlossen
Flyer zur Ausstellung
Ausstellungskatalog
[mehr]Unter den 38.000 Namen stechen «Vviberat» und «Rachilt» besonders hervor: Sie stehen in einem frei gebliebenen Raum zwischen Spalten mit den Namen der Mönche von Luxeuil. Wiborada, die laut Peter Erhart von ihrem Bruder Hitto das Lesen und Schreiben gelernt hatte, schrieb sich wohl ganz bewusst in die Nähe dieser Mönche, die eine enge Beziehung zu St. Gallen pflegten.
Warum es wahrscheinlich ist, dass Wiborada selbst unterschrieb
Es ist «eher ausgeschlossen», dass ein Mönch ihr diesen Platz zuwies oder für sie unterschrieb. «Dieser hätte kaum eine solche Leerstelle gesucht, sondern eher den Schluss der Liste». Damit hat das Stiftsarchiv St.Gallen die – vermutlich einzige – autographe Spur Wiboradas entdeckt und zeigt Wiboradas Unterschrift nun im Original im Rahmen der Ausstellung «Vviberat & Rachilt» vom 27. Februar bis 28. Mai 2026.
Nur ein paar Sekunden wird das Reichenauer Gedenkbuch jeweils beleuchtet, um die wertvollen Handschriften zu schützen. Wer Wiboradas Eintrag auf der rechten Buchseite (linke Spalte, unteres Drittel) entdecken will, muss schnell sein – und wundert sich vermutlich, statt «Wiborada» etwas zu lesen, das wie «Uuiberat» aussieht. «Vviberat», so ihr alemannischer Name, wurde erst später latinisiert zu «Wiborada». Und erst ab 920 begann man, das «u» als «v» darzustellen: Laut Peter Erhart ist der Beleg dafür, dass der Eintrag also vor 920 geschehen sein musste, als Wiborada noch nicht als Inklusin lebte und selbst auf die Insel Reichenau reisen konnte.
Rachilt: Gefährtin und geistige Tochter
Dass es sich um die St.Galler Heilige und nicht um irgendeine Wiborada handelt, belegt der Eintrag ihrer Begleiterin «Rachilt» direkt darunter. Wiboradas «Magd, treue Gefährtin und geistige Tochter» war wohl eine Jugendfreundin von Wiborada. Sie folgte ihr als Inklusin und liess sich im Jahr 920 ebenfalls in eine Zelle bei St.Mangen einschliessen, wo sie – mit Unterbrechung durch den Ungarneinfall im Jahr 926 – bis zu ihrem Tod 946 lebte. Ihr Neffe, Ekkehart I, schrieb die erste Heiligenvita über Wiborada und konnte dafür wohl auf Rachilts Erzählungen zurückgreifen.
Für Peter Erhart ist Rachilt die eigentlich unentdeckte St. Galler Inklusin. Wie Wiborada und andere Reklusen wurde sie als geistliche Autorität anerkannt und verehrt. Dass sie nicht ebenfalls heiliggesprochen wurde, erklärt er sich so: «Gleich zwei Frauen heilig zu sprechen, hätte Papst Clemens II im Jahr 1047 wohl überfordert. Er war erst zwei Wochen im Amt», sagt er schmunzelnd.
Hitto: Bruder und Kustos
Neben Wiboradas Autograph zeigt das Stiftsarchiv noch eine zweite Neuentdeckung: Ein Eintrag von Wiborada gemeinsam mit ihrem jüngeren Bruder Hitto im St.Galler «Buch des Lebens», verfasst von Hitto. «Hitto hat Wiborada von Anfang an begleitet», sagt Peter Erhart. Zwei Urkunden, die er vermutlich selbst geschrieben hat, zeigen, dass Hitto und damit auch Wiborada wohl aus dem Raum Jonschwil stammten. 906 wurde Hitto, der zuvor als Priester und Seelsorger tätig war, Mönch in St.Gallen. «Abt Salomo wusste wohl, dass Hitto es im Kloster nicht aushalten würde und stellte ihm sein Häuschen in St.Mangen zur Verfügung», so Peter Erhart. Hitto wirkte als Kustos von St. Mangen – ganz in der Nähe seiner Schwester. Anschaulich zeigt das Stiftsarchiv ein Modell von Wiboradas Zelle, das in Rufweite zu Hittos Haus lag.
«Wiborada war nie allein – ausser in den letzten drei Tagen ihres Lebens»
Begleitet von Rachilt, unterstützt von Hitto, in einer Zelle, die strategisch günstig an der damaligen Hauptverkehrsroute, dem Konstanzer Weg, lag: «Wiborada war nie allein», fasst Peter Erhart zusammen, «ausser die letzten drei Tage ihres Lebens». Von Wiborada vor dem bevorstehenden Einfall der Ungarn gewarnt, brachten sich im Jahr 926 Rachilt und Hitto sowie der Abt und alle Mönche des St. Galler Klosters in Sicherheit. Wiborada war die Einzige, die das Gelübde «stabilitas loci» hielt und beständig in ihrer Klause blieb, wofür sie beim Ungarneinfall mit ihrem Leben bezahlte.
«Am 1. Mai wurde die Rekluse Wiberat von den Heiden erschlagen», hielten die St. Galler Mönche in ihrem Professbuch fest. «Fortan gehörte auch sie zur Gemeinschaft der Mönche», sagt Peter Erhart. Wer das Buch heute betrachtet, entdeckt rund um Wiboradas Namen ein dichtes Gedränge: Nach ihrer Heiligsprechung 1047 liessen sich Mönche sowie weltliche Gäste des Klosters rund um ihre Todesnotiz verewigen. «Sie suchten ganz offensichtlich die Nähe der Heiligen nicht nur an ihrem Grab, sondern auch in einem Buch, das ihr Gedächtnis sicherte und auf ihren Beistand am Tag des Jüngsten Gerichts hoffen liess», so Peter Erhart. Das Buch wurde damit zur Reliquie – und kann ebenfalls in der aktuellen Ausstellung angesehen werden.
Ausstellung und Katalog
«Vviberat & Rachilt – Erste Spuren» ist vom 27. Februar 2026 bis 23. Februar 2027 im Ausstellungssaal des Stiftsarchiv zu sehen. Neben den beiden Reklusen werden auch gemeinschaftliche Lebensweisen beleuchtet, in denen Frauen ihren Alltag religiös gestalteten. Daraus entwickelten sich oftmals blühende Frauenklöster, welche in der Ostschweiz in enger Beziehung zur Fürstabtei St. Gallen standen.
Öffnungszeiten
Montag bis Sonntag 10–17 Uhr
(Juli bis September: Montag bis Sonntag 10–18 Uhr)
20. April, 9. bis 23. November und 24./25. Dezember 2026 geschlossen
Flyer zur Ausstellung
Ausstellungskatalog
23.02.2026
Weibliche Weitsicht im Welterbe

Im Westchor der Kathedrale ist seit dem Wochenende eine Kunstausstellung zu Ehren der Stadtheiligen Wiborada zu sehen. Die Werke spiegeln weibliche Energien wider und gipfeln in einem grossen Hauptgemälde, das Wiborada als Bewahrerin darstellt.
Was St.Gallen ohne Wiborada wäre, ist schwierig auszumalen. Nachdem sie 925 das Kloster vor einem ungarischen Überfall gewarnt hatte, konnten Menschen und Kulturgüter vor dem Angriff 926 in Sicherheit gebracht werden. Die Plünderer fanden in St.Gallen einzig eine Frau in einer Zelle vor, die sie sofort erschlugen. Die Bewahrerin Wiborada schützte St.Gallen und seine Schätze, nicht aber sich selber. Für Ihre Heldentat wurde sie 1047 in einem offiziellen römischen Verfahren heiliggesprochen – als erste Frau überhaupt.
Dass eine solche historisch und spirituell bedeutende Frau fast in Vergessenheit geriet, war für Hildegard Aepli, Seelsorgerin in der Kathedrale, ein «Skandal». Seit Jahren kämpft sie mit kreativen Aktionen dafür, Wiborada ins kollektive Bewusstsein zu rücken. Ihre Bemühungen gipfeln in einem breitangelegten Programm in diesem Jahr. Exakt 1100 Jahre nach der Erschlagung Wiboradas feiert St.Gallen ein staatlich-religiöses Gedenkjahr. Seit dem Wochenende ist ein entscheidendes Element hinzugekommen: Die Kunstausstellung der süddeutschen Künstlerin Brigitte Messmer in der Kathedrale. Die vielschichtigen Installationen und Bilder in Gedenken Wiboradas sind während der ganzen Fastenzeit zu sehen.
Bischof als Technik-Helfer
Im Chorraum der Kathedrale haben sich am Sonntagabend über 100 Leute zur Vernissage der Kunstausstellung versammelt. Hildegard Aepli stellte den Abend im Sinne von Wiboradas Wirken unter das Motto «ein Zimmer für sich allein». Während ihrer Begrüssung hallte ihre Stimmer mit unangenehmer Verzögerung durch die Lautsprecher, woraufhin Bischof Beat den Chorraum verliess. Nicht aus Trotz, sondern um im Hintergrund die Technik zu justieren, was Hildegard Aepli verdankte und die Gäste mit einem erleichterten Lächeln quittierten.
Für einen sinnlichen Einstieg ins Thema sorgte eine künstlerische Performance, bei der sechs Freiwillige auf einer Papierrolle ihren «eigenen Raum» einnahmen, in dem sie sich mit einem überdimensionalen Bleistift kreisförmig bewegten. Zusammen mit Gesang und Musik wurden dadurch eindrückliche Momente geschaffen. Unter dem gleichen Motto und in Gedenken Wiboradas finden weitere Abende im Chorraum statt. Am 1., 8. und 22. März gibt es sogenannte Fastenimpulse mit spannenden Gästen.
Kunst mit Tiefgang
Nach der Performance wurde die Vernissage beim Westchor, auch Rosshimmel genannt, fortgeführt. Eine «Challenge», wie Hildegard Aepli angesichts der vielen Interessierten sagte. Vor den Bildern erläuterten sie und Brigitte Messmer die Werke und die Ausstellung an sich. Diese besteht aus vier Stationen von der «zarten Sichtbarmachung» bis hin zum monumentalen Bild an der Chorwand: dem Porträt auf rotem Grund der Bewahrerin Wiborada.
Die Süddeutsche Künstlerin setzte sich eineinhalb Jahren mit Wiboradas Leben auseinander. Ihre Werke erreichen viel Tiefe, weil sie sich der Stadtheiligen mit allen Sinnen annäherte und versuchte, ihre Situation nachzuempfinden. Eine Phase lang auch gezwungenermassen, als sie nach einem Unfall zu Hause war und sich ohne Bewegungsfreiheiten eingesperrt fühlte. Die Werke von Brigitte Messmer können erstanden werden. Anfragen per Mail: brigitte.messmer@gmx.de.
[mehr]Dass eine solche historisch und spirituell bedeutende Frau fast in Vergessenheit geriet, war für Hildegard Aepli, Seelsorgerin in der Kathedrale, ein «Skandal». Seit Jahren kämpft sie mit kreativen Aktionen dafür, Wiborada ins kollektive Bewusstsein zu rücken. Ihre Bemühungen gipfeln in einem breitangelegten Programm in diesem Jahr. Exakt 1100 Jahre nach der Erschlagung Wiboradas feiert St.Gallen ein staatlich-religiöses Gedenkjahr. Seit dem Wochenende ist ein entscheidendes Element hinzugekommen: Die Kunstausstellung der süddeutschen Künstlerin Brigitte Messmer in der Kathedrale. Die vielschichtigen Installationen und Bilder in Gedenken Wiboradas sind während der ganzen Fastenzeit zu sehen.
Bischof als Technik-Helfer
Im Chorraum der Kathedrale haben sich am Sonntagabend über 100 Leute zur Vernissage der Kunstausstellung versammelt. Hildegard Aepli stellte den Abend im Sinne von Wiboradas Wirken unter das Motto «ein Zimmer für sich allein». Während ihrer Begrüssung hallte ihre Stimmer mit unangenehmer Verzögerung durch die Lautsprecher, woraufhin Bischof Beat den Chorraum verliess. Nicht aus Trotz, sondern um im Hintergrund die Technik zu justieren, was Hildegard Aepli verdankte und die Gäste mit einem erleichterten Lächeln quittierten.
Für einen sinnlichen Einstieg ins Thema sorgte eine künstlerische Performance, bei der sechs Freiwillige auf einer Papierrolle ihren «eigenen Raum» einnahmen, in dem sie sich mit einem überdimensionalen Bleistift kreisförmig bewegten. Zusammen mit Gesang und Musik wurden dadurch eindrückliche Momente geschaffen. Unter dem gleichen Motto und in Gedenken Wiboradas finden weitere Abende im Chorraum statt. Am 1., 8. und 22. März gibt es sogenannte Fastenimpulse mit spannenden Gästen.
Kunst mit Tiefgang
Nach der Performance wurde die Vernissage beim Westchor, auch Rosshimmel genannt, fortgeführt. Eine «Challenge», wie Hildegard Aepli angesichts der vielen Interessierten sagte. Vor den Bildern erläuterten sie und Brigitte Messmer die Werke und die Ausstellung an sich. Diese besteht aus vier Stationen von der «zarten Sichtbarmachung» bis hin zum monumentalen Bild an der Chorwand: dem Porträt auf rotem Grund der Bewahrerin Wiborada.
Die Süddeutsche Künstlerin setzte sich eineinhalb Jahren mit Wiboradas Leben auseinander. Ihre Werke erreichen viel Tiefe, weil sie sich der Stadtheiligen mit allen Sinnen annäherte und versuchte, ihre Situation nachzuempfinden. Eine Phase lang auch gezwungenermassen, als sie nach einem Unfall zu Hause war und sich ohne Bewegungsfreiheiten eingesperrt fühlte. Die Werke von Brigitte Messmer können erstanden werden. Anfragen per Mail: brigitte.messmer@gmx.de.
03.02.2026
1100 Jahre Wiborada: Zum letzten Mal lassen sich vier Frauen und ein Mann für je eine Woche einschliessen
Die Inklusinnen und der Inkluse in der Wiborada-Kapelle in St.Georgen: v.l.n.r.: Bettina Ehrle, Ulrike Hasselmann, Gabi Hangartner, Samuel Rüegg, Simone Curau-Aepli. Fotocredits: Urs Bucher Aus vier verschiedenen Kantonen vom Bodensee bis Basel und erstmals auch aus Deutschland kommen die vier Inklusinnen und der Inkluse, die vom 1. Mai bis 5. Juni 2026 für je eine Woche in der nachgebauten Wiborada-Zelle leben werden. Wie die St. Galler Stadtheilige lassen sie sich in eine Klause bei der Kirche St.Mangen einschliessen. Die fünf sind die letzten Inklus:innen, denn 2026 jährt sich Wiboradas Todestag zum 1100. Mal, danach wird die Zelle wieder rückgebaut.
Simone Curau-Aepli aus Weinfelden TG macht den Auftakt vom 1. bis 8. Mai. Die 64-jährige Unternehmerin, ehemalige Präsidentin des Frauenbund Schweiz und aktive Grossmutter fühlt sich geehrt, im Jubiläumsjahr 2026 als Inklusin dabei zu sein. Sie möchte die Woche nutzen, um Texte religiöser und spiritueller Lieder auf sich wirken zu lassen und zu bearbeiten. Das grosse Wiborada-Fest am 02. Mai 2026 mit Essen, Musik und Lesungen wird sie von der Wiborada-Zelle aus miterleben, durch das eine Fenster ihrer Zelle in die St. Mangenkirche und durch das andere Fenster nach draussen.
Vom 8. bis 15. Mai folgt Ulrike Hasselmann aus Speicher AR. Die 62-Jährige arbeitet als Psychiaterin und Psychoanalytikerin in St. Gallen und schätzt das Jubiläumsjahr als Geschenk, 1100 Jahre Frauengeschichte zu bedenken. Sie wird wie die anderen Inklus:innen ihr Zellenfenster täglich von 12.30 bis 13.30 Uhr und von 17.30 Uhr bis 18.30 Uhr öffnen. Sie sagt: «Jeder Besuch am Fenster ist eine ganz besondere, nicht alltägliche Begegnungsmöglichkeit. Ich möchte Raum geben und die Anliegen der Menschen offen aufnehmen.»
Gabi Hangartner aus Basel lebt vom 15. bis 22. Mai in der nachgebauten Wiborada-Zelle. Die 68-Jährige, in Rente und immer noch gestalterisch tätig, ist neugierig auf die Erfahrung des befristeten eingeschlossenen Seins. Sie sagt: «Auf den ersten Blick wirkt dies harmlos, aber mir wird mehr und mehr bewusst, dass möglicherweise viel Kraft, aber auch Herausforderung darin liegt.»
Bettina Ehrle aus Ravensburg (D), Klinikseelsorgerin, ist Inklusin vom 22. bis 29. Mai. Die 56-Jährige ist fasziniert von Wiboradas Autorität, die sie «aufgrund ihrer Gottverbundenheit, prophetischen Begabung und Weisheit» hatte. «Mich begeistert vor allem der Gedanke, in dieser Woche den Namen Gottes – «Ich bin da» - zu leben», sagt die Theologin.
Zum Abschluss wird der 49-jährige Samuel Rüegg aus Winterthur ZH vom 29. Mai bis 05. Juni als Inkluse in der Zelle leben. Der Sozialarbeiter, Erwachsenenbildner und Coach freut sich auf Besuchende am Fenster und will «einfach präsent» sein.
Herausforderung: Handarbeit wie Wiborada
Nach Wiboradas Vorbild, von der es heisst, dass sie sich in ihrer Zelle u.a. der Handarbeit widmete, werden auch die Inklusinnen und der Inkluse einer handwerklichen Tätigkeit nachgehen. Für einige bedeutet dies eine neue Erfahrung und Herausforderung: Simone Curau-Aepli möchte einen Mehrwert schaffen und überlegt, Abwaschlappen zu stricken oder Verbundenheits-Bänder zu knüpfen, die verschenkt oder für das Wiborada-Projekt verkauft werden können. Ulrike Hasselmann, die seit der Schulzeit keine Handarbeit mehr gemacht hat, versucht, ein Bild mit 1100 Stichen zu sticken, das die Stimmungen der Woche einfängt. Gabi Hangartner, gestalterisch erfahren und künstlerisch tätig, bringt Material zum Zeichnen und Sticken mit, um ihre Kreativität zu entfalten und ihre Reflexionen sichtbar zu machen. Bettina Ehrle wird stricken, während Samuel Rüegg ganz schlicht Papier und Stifte mitbringen will. Alle werden an einem Tagebuch weiterschreiben, das der Handschriftensammlung der Stiftsbibliothek St.Gallen übergeben wird.
Jeden Tag ist jemand da
Die Wiborada-Zelle bildet einen zentralen Bezugspunkt des Wiboradajubiläums: Seit 01. Januar 2026 weilt jeden Tag jemand in der nachgebauten Wiborada-Zelle – im Unterschied zu den vier Inklusinnen und dem Inklusen sind die täglich wechselnden Personen jedoch nicht eingeschlossen. «Da-Sein» ist ein Projekt des Jubiläumsvereins, der Personen aus Kultur, Bildung, Gesellschaft und zwei Landeskirchen vereint.
Wiborada von St.Gallen: Inklusin und Ratgeberin
Wiborada ist neben Gallus und Otmar die dritte St.Galler Stadtheilige. 916 liess sie sich in eine Zelle bei der Kirche St.Mangen als sogenannte Inklusin einschliessen. Bei einem Angriff der Ungarn bezahlte sie 926 mit ihrem Leben dafür. In ihrer Zelle stand ein Fenster stets offen für Ratsuchende. Äbte, Fürsten, Adlige, Mönche und Bürger liessen sich an ihrem Fenster beraten. 1047 wurde sie als erste Frau überhaupt von der katholischen Kirche heiliggesprochen.
Das ökumenische Wiborada-Projekt
Mit dem Projekt Wiborada2021-2026 möchte ein ökumenisches Team ihr den Platz in der Geschichte einräumen, der ihr gebührt. Seit 2021 lassen sich jedes Jahr fünf Personen für je eine Woche in der nachgebauten Zelle der Wiborada von St.Gallen einschliessen. So spüren sie dem Leben der mittelalterlichen Heiligen nach und entdecken ihre Bedeutung für Stadt und Kanton heute. 2026 endet das Projekt.
30.01.2026
5 Gründe, einen Tag in der Wiborada-Zelle zu verbringen
Fredy Brunner ‒ alt Stadtrat von St.Gallen und reformiert ‒ verbrachte einen Tag in der Klause der Heiligen Wiborada bei der Kirche St. Mangen. Er nennt Gründe, warum es für ihn sinnvoll und bereichernd war...1. Historische und kulturelle Verbundenheit zur Region
Die Heilige Wiborada ist eine bedeutende Persönlichkeit der St.Galler Geschichte. Ein Tag in ihrer Klause bietet eine lebendige Verbindung zur lokalen Kulturgeschichte, die auch für gesellschaftlich und politisch Engagierte inspirierend sein kann.
2. Geistliche Reflexion unabhängig von Konfession
Auch für reformierte Christinnen und Christen kann ein solcher Ort des Rückzugs ein Raum sein für:
· persönliche Reflexion und inneren Frieden
· das Nachdenken über Werte und Verantwortung
· Stille als Gegenpol zum politischen Alltag
3. Innere Ruhe und Stressabbau
Ein Tag in einer Klause, abseits des Alltagslärms, fördert Tiefenentspannung, mentale Regeneration sowie Klarheit und neue Perspektiven.
Gerade für ehemalige Amtsträger, die oft unter hoher Verantwortung standen, kann das sehr wertvoll sein.
4. Ökumenisches Interesse und Dialog
Orte wie die Wiborada-Zelle laden ein zu einem offenen Austausch über Glaubensfragen, auch wenn man unterschiedlichen Traditionen angehört. Das kann gegenseitiges Verständnis stärken ‒ gesellschaftlich wie persönlich.
5. Verbundenheit mit dem spirituellen Erbe der Stadt St.Gallen
Ein Aufenthalt bei einem bedeutenden geistigen Ort der Region ist ein Ausdruck von Respekt vor dem kulturellen Erbe und der Identität der Gemeinschaft.
Mehr erfahren und einen Tag in der Wiborada-Zelle verbringen: wiborada-ist-da.ch



